26 Juni 2020

Schwierig, aber machbar: Ein besonderes M&A-Jahr verlangt besondere Lösungen in DACH

Bastian Frien, FINANCE Think Tank

Der M&A-Markt ist im Corona-Jahr ein ganz besonderer – darin waren sich alle Diskutanten des Online-Events „M&A 2020 – ein Krisenjahr unter der Lupe“ einig. Die Diskussion, zu der Datasite gemeinsam mit dem FINANCE Think Tank eingeladen hatte, stieß auf gewaltiges Interesse: Über 300 Teilnehmer lauschten den Impulsvorträgen ebenso wie der angeregten Diskussion und beteiligten sich auch selbst, indem sie Fragen an die Referenten stellten und über drei vorbereitete Publikumsfragen abstimmten.

Wir blicken mit Optimismus nach vorn
Zum Auftakt zeigte Markus Schiller, bei Datasite für die DACH-Region verantwortlich, anhand von gemeinsam mit Mergermarket erhobenen Daten, dass 2020 ohne die Pandemie ein sehr gutes M&A-Jahr hätte werden können. Januar und Februar waren sehr starke Monate, der Einbruch in den folgenden drei Monaten dann um so tiefer. Allerdings verwies Schiller darauf, dass die Stimmung unter den Marktteilnehmern nach dem Tiefpunkt im März jeden Monat besser geworden und er für die zweite Jahreshälfte daher recht optimistisch sei.

Auch das Publikum zeigte in der Befragung eine gewisse Zuversicht. Als wesentlichen Deal-Treiber sehen die Teilnehmer noch vor den zu erwartenden Restrukturierungsfällen den Optimismus der Verbraucher, der die Konjunktur wieder zurück in die Spur bringen wird. Für die kommenden 24 Monate erwarten die Teilnehmer, dass bei den Restrukturierungen vor allem Unternehmensverkäufe und Insolvenzen dominieren werden. Als wichtigste Technologie-Aspekte für den erfolgreichen Abschluss von M&A-Transaktionen sehen sie Tools zur Beschleunigung und Effizienzsteigerung sowie die virtuelle Due Diligence.


Herausforderungen und Unsicherheit
Aktuell wird der Markt allerdings von Unsicherheit geprägt. Einerseits beobachtet Moritz von Bodman, Managing Director der Midcap-Boutique GCA Altium, dass viele schon befürchten, den richtigen Zeitpunkt zum Kaufen zu verpassen, weil sie analog zur Finanzkrise mit einer steilen Erholung rechnen. Andererseits sind die Käufer auf der Ebene einzelner Unternehmen sehr unsicher, wie die Entwicklung in den kommenden Monaten und Jahren aussehen wird.

Private-Equity-Investor Sven Oleownik, Deutschland-Chef von Gimv, sieht drei Klassen von Transaktionen:

  • Einige Unternehmen sind durch die Pandemie nicht betroffen oder profitieren sogar von ihr. Diese Targets sind heiß umworben, und die Kaufinteressenten bieten weiterhin hohe Preise.
  • Für Unternehmen, die bereits vor Corona in Schwierigkeiten steckten, gibt es derzeit keinen Markt.
  • Am spannendsten aus Marktsicht ist die große Gruppe der grundsätzlich gut aufgestellten Unternehmen, die durch die Pandemie getroffen wurden, aber eher mit temporären Schwierigkeiten zu kämpfen haben.
    In dieser Gruppe gibt es Unternehmen, die sich jetzt von Unternehmensteilen trennen wollen. Andere sehen eine Chance, endlich das lange ersehnte Target zu kaufen, brauchen dafür aber externe Kapitalgeber. Die Gretchenfrage besteht im aktuellen Marktumfeld darin, sowohl dem Käufer als auch dem Verkäufer genügend Sicherheit zu bieten, damit eine Transaktion zustande kommt.

Flexibler Fokus
Die größte operative Herausforderung liegt in der Wertermittlung. Due-Diligence-Experte Jürgen Zapf, der das Deutschland-Geschäft von Alvarez & Marsal leitet, sieht zwar keine gänzlich neuen Ansätze in der Unternehmensprüfung, aber deutlich verschobene Schwerpunkte. Vor allem die operative Flexibilität der Unternehmen, sowohl Kosteneinsparungen als auch Wachstumsszenarien umsetzen zu können, ist in den Mittelpunkt gerückt.

Um zu einem Abschluss zu kommen, müssen Käufer und Verkäufer derzeit deutlich kreativer werden, um sich die Risiken aufzuteilen. Andreas Hoger, Partner bei Hengeler, beobachtet mehr Vendor Loans und Earn-out-Modelle. Die Phase zwischen Signing und Closing ist riskanter geworden, die Definition von „ordentlicher Geschäftsgang“ ist in außerordentlichen Zeiten schwierig. Beide Seiten müssen über ihren Schatten springen, um den Deal zu ermöglichen.

Das Fazit der Diskussion war durchaus zuversichtlich – so viele Unsicherheiten die kommenden Monate auch bergen. Die Diskussionsteilnehmer teilten die Ansicht, dass 2020 zwar ein besonderes und schwieriges, aber kein desaströses M&A-Jahr wird: Von „drei bis vier“ bis zu einer hoffnungsfrohen „eins minus“ reichten die Prognosen der M&A-Experten.

 

Deal Drivers: DACH

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