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M&A-Markt 2025: Durchwachsene Zahlen, optimistische Perspektiven
28 Oktober 2025 (Zuletzt aktualisiert 19 November 2025) | Blog
M&A-Markt 2025: Durchwachsene Zahlen, optimistische Perspektiven
Für das vierte Quartal sehen wir positive Signale am M&A-Markt – dennoch zeichnet sich ab, dass das Jahr 2025 insgesamt mit einem deutlichen Minus bei den abgeschlossenen Transaktionen enden wird. Machen Dealmaker jetzt noch Tempo, um die Jahresbilanz zu retten? Oder richten sie ihren Blick bereits konsequent auf das neue Jahr? Wir haben uns am Markt umgehört.
Das M&A-Jahr ist im Endspurt: Nach einem von Turbulenzen an den globalen Märkten geprägten Frühjahr und einem von hartnäckiger Investitionszurückhaltung geprägten Sommer sehen wir jetzt Zeichen, dass die Dynamik im Markt wieder anzieht. Doch die Motivation vieler Dealmaker, auf den letzten Metern des Jahres 2025 jetzt noch Tempo zu machen, ist begrenzt.
Für diesen Brems-Effekt gibt es vor allem zwei Gründe:
- Vielerorts haben Dealmaker das Jahr 2025 schon als insgesamt enttäuschend abgeschrieben und richten den Fokus lieber darauf, im Januar mit Vollgas ins neue Jahr zu starten.
- Die volatile makroökonomische und politische Entwicklung hat dafür gesorgt, dass bei vielen Projekten die Due Diligence aktuell besonders aufwändig ist. Dealmaker müssen ihre Forecasts anpassen, bevor sie Transaktionen auf den Weg bringen können. Sie bewerten die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen vor dem Hintergrund der Handelskonflikte, aber auch der technologischen Entwicklung, neu. Das kostet Zeit – und lässt bei manchem Deal auch die Frage aufkommen, ob sich die hohen zusätzlichen Due-Diligence-Kosten hier rechnen werden.
Alles andere als ein Rekordjahr
Eine Jahresend-Rallye, die den bislang schwachen Jahresverlauf auffangen könnte, ist also nicht in Sicht. Schauen wir einmal auf die harten Zahlen für den deutschen Markt im Jahresvergleich: Im Jahr 2023 haben wir laut einer Refinitiv-Analyse insgesamt 2222 abgeschlossene Transaktionen in Deutschland gesehen. 2024 haben Dealmaker 1973 Transaktionen abgeschlossen – ein Minus von 11 Prozent. Im Jahr 2025 liegt die Zahl der Closed Deals nach den ersten neun Monaten bei 1117.
Selbst wenn im letzten Quartal noch etwas Bewegung hineinkommt, rechnet man am Markt unterm Strich mit einem Minus von 12 bis 19 Prozent für 2025. Sollten viele Dealmaker nun ihre Jahresziele abschreiben und Deals lieber ins nächste Jahr schieben, könnte das Minus noch deutlicher ausfallen.
Branchen-Analyse: Licht und Schatten in der DACH-Region und Europa
Mit Blick auf die Marktentwicklung in einzelnen Branchen und Ländern zeigt sich ein durchwachsenes Bild für die DACH-Region:
So fällt am deutschen M&A-Markt etwa die schwierige Lage der Automobilindustrie in den Blick. Auf Verkäuferseite ist der Wille zur Transaktion durchaus gegeben. Doch es fehlt an Käufern, die eine Zukunftsperspektive sehen.
In Österreich dämpfen die weiter anziehenden Unternehmensinsolvenzen den Risikoappetit der Dealmaker.
In der Schweiz entwickelt sich hingegen die Zahl der Transaktionen sehr dynamisch – manche Beobachter sprechen sogar von einer „Schweizer M&A-Dealwelle“. Allerdings zeigt sich die Entwicklung stark branchenabhängig: Ein Großteil der Transaktionen entfällt auf den Immobiliensektor, während einzelne Großdeals in der Versicherungsbranche das Gesamtvolumen zusätzlich nach oben treiben.
In der DACH-Region insgesamt konnten Transaktionen in der Industrie und insbesondere der Chemiebranche einen deutlichen Zuwachs verzeichnen. Ruhiger wurde es im Jahresverlauf hingegen im Tech-Bereich, der durch den KI-Boom zunächst noch Zugpferd gewesen war. Für den Kauf von KI-Startups müssen Käufer tief in die Tasche greifen – hier ist der Risikoappetit erkennbar nicht mehr so groß wie zu Beginn der KI-Konjunktur, und Käufer sind nicht bereit, die hohen Multiples für KI-Deals zu zahlen.
Während sich der KI-Hype also abschwächt, rücken zugleich der Verteidigungssektor und der Dual-Use-Sektor stärker in den Fokus. In harten Zahlen zeigt sich das in unseren Deal Drivers Reports allerdings noch nicht: Während viele Marktakteure der Meinung sind, dass Europa in diesem Bereich schneller vorankommen muss, gibt es nach wie vor mehr Gerüchte über Deals als tatsächlich abgeschlossene Transaktionen.
Die reale Pipeline an Defense Deals bleibt auch deshalb begrenzt, weil die Branche nach Jahren der Unterinvestitionen jetzt zunächst aufholen und bessere Rahmenbedingungen für Investoren schaffen muss. Damit das gelingt, müssen staatliche Investitionsstrategien und die Strategien privater Investoren hier sinnvoll zusammengebracht werden. Vorschriften und Rahmenbedingungen für das öffentliche Beschaffungswesen unterscheiden sich dabei erheblich zwischen den europäischen Ländern. Wie sich die einzelnen Länder hier aufstellen, wird damit ein wichtiger Faktor für Entscheidungen über Akquisitionsziele im kommenden Jahr sein.
Stimmen aus dem Markt: All Eyes on 2026
Mit Blick auf unsere Marktdaten und auch auf die Stimmung in unserem Netzwerk lässt sich zusammenfassen: Alle Augen richten sich bereits auf das Jahr 2026. „Auch wenn back-to-normal im M&A-Markt länger als erwartet zu dauern scheint, ist der Trend klar erkennbar: PE is back in town to make deals“, fasst zum Beispiel Christoph D. Kauter, Managing Partner beim Frankfurter Private-Equity-Investor Beyond Capital Partners, seine Einschätzung der Lage zusammen. „Während 2025 noch durch Investitionszurückhaltung geprägt war, ist für 2026 mit einem Anziehen der M&A-Aktivität aufgrund vorhandener Capital Pockets, planbarer Refinanzierungskosten und attraktiver Assets zu rechnen“, prognostiziert er.
Fazit
2025 wird als Übergangsjahr in Erinnerung bleiben: Die große Aufholjagd bleibt aus, doch die Vorbereitungen für ein aktiveres M&A-Jahr 2026 laufen auf Hochtouren. Das Schlussquartal ist damit weniger Endspurt als Startblock für die nächste M&A-Welle.